Die Narben in Deinen Augen

Die Narben in Deinen Augen zeichnen Dein ganzes Gesicht.
Siehst Du nicht, was diese alles verzehrende Wut Dich kostet?
Ein rebellierender Geist gehalten von einem rebellierenden Körper.
Die Zeichen stehen auf Sturm!
Ein“Achtung“ schallt durch die Welt, aber Du hörst es nicht.
All die Warnungen schreibst Du in den Wind, kreischst in den Sturm und lachst das Lachen der Verrückten.
Deine Worte sind Feuer und hinterlassen nichts als Asche – in Dir und allen, die Dein Unmut trifft.
Was bleibt, ist Leere und Einsamkeit.

Du kannst das Flammenschwert zur Seite packen. Ich bin unbewaffnet.

Die Narben in Deinen Augen zeichnen Dein ganzes Gesicht.
Höre auf den Wind, ernte den Frieden.
Sonst wird Dich endgültig verschlingen, was Du aus dem Dunkeln riefst.

Lebensringe

Das Leben ist eines der seltsamsten. Ein innerer Zeiger bewegt sich auf der Lebensuhr und gibt Auskunft über das Voranschreiten der Zeit. Einmal fühlt man sich hin und her geworfen, dann wieder geführt, einmal gelenkt und schließlich begleitet.

Hanna seufzte. Sie dachte zurück an den Tag, als sie bei einer Tasse Tee auf der Terasse saßen und sie ihm erzählte wie sich alles fügt. „Es ist, als ob eine Weiche einrastet, mit einem Mal gibt alles einen Sinn, erklärt sich und die Fragen finden ihre Antworten.“

Doch mit der wilden Fahrt durchs Innere, die dann folgte, hatte sie wieder einmal nicht gerechnet. Versuch macht klug.

So vieles gelernt, so vieles verstanden und für ein paar Momente gelebt. Dann schnurstracks zurück in die alten Bahnen. Schleichend, langsam, eine Entscheidung nach der anderen. Die Mechanismen nicht erkannt, vielleicht ein kleines Unwohlsein so manches Mal, ein kurzes Bedauern, aber kein Aufschrecken, kein Erwachen.

Tja, das Leben und seine Holzknüppel. 

Sie blickte auf ihre Hände, auf den blätternden Lack. Ein Lächeln huschte über ihre angespannten Gesichtszüge. Wenigstens jetzt den Moment nicht verpasst, wenigstens jetzt aufgewacht und erkannt, was nie funktionieren wird und immer zurück wirft. 

Das Aufräumen, Ausmisten, Loslassen all dieser Gefühle würde noch ein ganz schöner Kraftakt werden. Aber der Anfang war gemacht, diesmal wollte sie es nicht aus den Augen verlieren, was sie glücklich machte. Was ihr gut tat. 

„Jetzt bin erst einmal ich dran – und es ist viel zu gut, um damit aufzuhören.“

Die Lebensuhr tickt und die Zeit geht voran. Aber manchmal gibt sie uns einen Blick auf die Zukunft und mahnt zur Besinnung. Und wenn wir auf diese kleine Mahnung reagieren, wird alles neu gestellt, kommt zurück, was zu uns gehört, und fällt ab, was nicht mehr gut tut. Der Wandel bleibt das ganze Leben ein treuer Gefährte und die Seele bildet ihre Lebensringe.

Gelesenes

Schiller – Die Räuber

Was für ein Ende. Ich rege mich jetzt noch auf. Eine Frau, die sterben will, bevor sie ihren Liebsten verliert und alleine leben muss. Zu viel Sturm und Drang. Zu viel Drama. Da kommt der Pragmatiker durch.
Sonst besser als der Werther, aber das ist ja nicht so schwer.

Heinrich Böll – Ansichten eines Clowns

Ich scheine Gefallen an Figuren zu finden, die mich aufregen. Klar, die Gesellschaft war nicht immer nett zu ihm. Seine Geschichte berührt und dann, zack!, Arschloch. Andere beschimpfen, selbst so arm sein, aber der Charakter, verdorben. Den Eltern vorwerfen, keine guten zu sein und zugleich nur aufs Geld aus. In der Not verständlich, aber so viel gefühlte Heuchelei.
Ein Egozentriker, dem das Leben böse mitgespielt hat. Komm mal klar, ey.

Was ich mir verboten hatte (vor langer Zeit geschrieben)

Da vermisste ich,
was ich mir verbot,
legte Dich auf die Seite
und mich ad acta.

Da verfehlte ich,
was ich mir als Ziel gesetzt hatte
und blicke nun erschüttert in mein Leben,
in das Du Dich so einfach zurückgepirscht hast.

Erleichterung atmen

Irgendwann kommt die Zeit, da lässt Du los, was Dich hält.
Nein, etwas in Dir lässt sich selbst los, den eigenen Gedanken, die ganz persönliche Intuition, den Irrtum, dem Du aufgesessen bist wie einem wilden Gaul.

Unspürbar bleibt keine Lücke zurück, nur Freiheit, Herrgott, so viel Freiheit im Innen.

Ein Tag, um den Champagner zu köpfen. Oder den billigen Sekt, völlig egal. Hauptsache feiern, dass das Verbeißen ein Ende gefunden hat.

Erleichterung atmen.

Am Anfang war ein Wort

Ihr Leben stand zwischen den Zeilen.
Es war keines dieser großen, berühmten Leben voller Reichtum und Glamour. Es war ein kleines, liebevolles, zärtliches Leben, voller Schönheit, Anmut und Würde.
So wie sie war. Durch das Leben schreitend, manches Mal schwebend. Beide Beine fest mit der Erde verbunden, eine Frau voller Tatkraft und zugleich mit dieser gewissen Grazie. Ihr beim Tanzen zuzusehen hatte etwas .. etwas Himmlisches, als berührte ein Engel die Erde und den Himmel zugleich.

So kann nur ein Verliebter sprechen. Und das bin ich. War ich. All die Jahre, die wir teilten, hörte ich nie auf, mich in sie zu verlieben. Vielleicht ist das das Geheimnis einer glücklichen Bindung? Das Neuentdecken des anderen, Tag für Tag. Das Vertraute und doch so Fremde.

Und die Bücher, mein Gott, wie liebte sie diese Bücher! Wo sie ging und stand, lag ein Buch. Große Bücher und kleine, bunte und einfarbige, so dick, dass man Angst vor dem Heben hatte, so dünn, das es fast zerbrechlich schien. Sie wühlte in den Worten, sog sie auf, ließ sie hineinfließen und lauschte ihnen nach, wenn sie ihre Spur vondannen zogen.
Jeder Buchstabe ein Genuss, manches Mal auch eine Qual. Vor dem ein oder anderen Buch schreckte sie zurück, als könnte sie spüren, dass die gemeinsame Zeit noch nicht gekommen sei.

Und vielleicht war das auch so.
Vielleicht ging es ihr so oft mit den Büchern genauso wie mit mir.
Unsere Zeit war noch nicht gekommen…

Und Du warst, wie ich Dich immer dachte

Und dann träumte ich von Dir und Deinem Leben und meinem Leben und den Fragen, die noch zwischen uns standen.
Und Du warst, wie ich Dich immer dachte, Du lachtest in mir und blicktest auf mich, wie Du mich immer ansahst.
Und mein Herz setzte aus und suchte ein letztes Mal Dein Verständnis und fand bei mir, was schon seit dem ersten Atemzug in Dir lag.

Und dann wachte ich auf und wusste, Du wirst nie sein, wie ich Dich dachte, nie lachen, wie ich es hörte, nie verstehen, was ich suchte.

Und ich lasse los, was nicht ist.
Und ich atme, atme in mein neues Leben.