Archive for the ‘Mein Leben’ Category

Drahtseilkarussell

Haare länger oder kürzer?Abgeschnitten nach einem Monat Hausumbau voller Staub und Dreck – reiner Praktizismus. Jetzt wieder länger, gut so.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Kurzsichtig, unverändert.
Mehr Kohle oder weniger? Etwas mehr. Oder viel weniger, wie mans nimmt.
Mehr ausgegeben oder weniger? Die größte Ausgabe, die man wohl überhaupt im Leben hat: Ein Haus gekauft. Und endlich zu Hause.
Mehr bewegt oder weniger? Mehr, so viel mehr. Rund 6 Tonnen Bauschutt, ca. 5 Tonnen Material.
Der hirnrissigste Plan? Den Hund so lange wegschubsen, bis er aufgibt
Die gefährlichste Unternehmung? Rückwärts auf die Treppe geknallt, beide Oberarme geprellt. Das hätte böse ausgehen können.
Der beste Sex? Oh ja!
Die teuerste Anschaffung? Haus, Auto, Hund – volles Programm
Das leckerste Essen? Des Mannes Hackbraten
Das beeindruckendste Buch? Andrea Jolander: Da gehen doch nur Bekloppte hin
Der ergreifendste Film? Weil es Dich gibt
Die beste CD? The truth about love – Pink (das einzige Album, das ich dieses Jahr gekauft habe – und ich bereue nichts)
Das schönste Konzert? Keine Zeit für einen Konzertbesuch gehabt
Die meiste Zeit verbracht mit…? Dem Umbau – vom Altbau zum Traumhaus in 3,5 Monaten
Die schönste Zeit verbracht mit…? Hund und Mann.
Vorherrschendes Gefühl 2012? Alles ist Veränderung, ein wildes Karussell
2012 zum ersten Mal getan? Beim Notar gewesen, der Bank meine Seele verkauft.
2012 nach langer Zeit wieder getan? Keine Fernbeziehungsfahrten mehr, einen wesentlichen Entwicklungsschritt gemacht
Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die nächste Beerdigung in der Weihnachtszeit.
Auseinandersetzungen mit meinem Vater.
Ein Nagel im Fuß.
Drei Dinge, auf die ich keinesfalls hätte verzichten mögen?
Den Mut zu haben, Wagnisse einzugehen.
Den Mut zu haben, sich selbst ganz viel zuzutrauen.
Den Mut zu haben, Fehler nicht länger als Rückschlag, sondern als Rückmeldung zu betrachten.
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Wir schaffen das.
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ein iPhone
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Einen Verliebungsring.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? „Und hier sind die Schlüssel zu Ihrem Haus.“
2012 – ein Jahr des Ankommens und der erfüllten Träume. Der Mann zog in den Süden, neuer Job, neues Leben. Die Entscheidung für ein Haus. 3,5 Monate Umbauen extrem – im Rückblick völliger Irrsinn und so gut. Jeder Tag hier ein Geschenk. Der Blick auf die Berge aus dem Schlafzimmer, der große Garten, das Gefühl, Platz zu haben, Zuhause zu sein, das Gefühl, angekommen zu sein. Der dritte Wunsch: ein Hund. Unser Hund. Der beste Hund der Welt. Purer Flausch gepaart mit einem Schwarzwälder Sturkopf – seit ich 19 bin ein tiefer Wunsch. Genau den richtigen Hund gefunden, genau die richtige Hundeschule, so viel Lachen, so viel Freude, so viele unruhige Nächte.
Überforderung auf der anderen Seite – und Grundsatzentscheidungen getroffen, die alles leichter machen (werden). Der Balanceakt zwischen: Ich habe eine Verpflichtung übernommen und werde sie auch erfüllen und dem hässlichen Gefühl nicht auch nur einen Tag länger so leben zu können. Leben auf dem Drahtseil. Hoffen, nicht zu fallen.

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Was bleibt, was ist, was sein wird

Was bleibt, ist eine Ahnung. Eine Ahnung, wer wir sind, vielleicht auch eine Ahnung, wer wir sein werden. Ich habe @poetin einen wundervollen Blogeintrag gelesen, der mich bewegt und sehr nachdenklich gemacht hat. Die Idee geht zurück auf @mitnichten

Warum erscheint es mir wichtig, Dinge mit einer anonymen Öffentlichkeit zu teilen? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt und ich suche immer wieder nach einer Antwort. Abgesehen davon, dass es mir einfach Freude macht, mehr über Menschen und ihre Art zu denken, zu leben, zu lieben zu erfahren und diese Informationen im Austausch auch zu geben, halte ich es für grundsätzlich wichtig. Viele Leben wirken so geradeaus, sorglos, viele Menschen so stark. Aber jede Biographie hat ihre Brüche – und wenn man diese teilt, macht man denen Mut, die glauben, so etwas sei noch niemandem widerfahren. Mich stützen eure Geschichten und begleiten mich. Hier ist meine – ungebremst und unkürzbar.

Ich habe einen kleinen Finger, der perfekt zu meiner Hand passt, aber einzeln betrachtet aussieht, als wäre er mehrfach gebrochen. Ich bin Lehrerin aus Leidenschaft, aus Liebe zu den Geschöpfen, die in unserer so wohl behütenden Gesellschaft übersehen, getreten, geschlagen und ausgelacht werden – oder die einfach unsichtbar sind. Ich möchte die Welt ein bisschen besser machen durch meine Existenz.

Ich habe fünf Jahre meines Lebens in Schwimmhallen verbracht und auch, wenn ich heute noch von der erlernten Technik profitiere, waren all die Wettkämpfe das Sinnloseste und Unbefriedigendste in meiner Kindheit. Konkurrenzdenken liegt mir fern, ebenso der unbedingte Wille zu gewinnen. Ich kann gut verlieren. Ich bin unordentlich, aber nicht chaotisch, kruschtelig, aber nicht dreckig. Ich höre immer noch zu sehr auf das, was meine Eltern sagen und denken, obwohl ich weiß, dass mein Anderssein nicht schlechter ist. Ich wurde vielleicht in die falsche Familie geboren, auch wenn ich sie liebe. Ich hatte einen Menschen in meinem Leben, der wusste, wer ich bin, der mich bedingungslos liebte für mein ganzes Sein, für den ich etwas Besonderes war, allein durch meine Existenz. Dieser Mensch hat uns letztes Jahr verlassen. Ich habe ein Gefühl für den Toten, wenn ich an einem Grab stehe – und ich kann mit ihm sprechen, aber nicht so, wie man sich das vorstellt. Ich bin ein Medium und ich habe lange gebraucht, um diesem Gedanken in meinem analytisch geprägten Gehirn ein Zuhause zu geben. Ich bin Zweifler, Ver-Zweifelnde und zugleich gnadenlos optimistisch. Bevor ich in ein Auto steige, denke ich an einen Unfall, bevor ich das Haus verlasse, an den Tod und bevor ich mich von einem Menschen verabschiede, überlege ich, wie es sein wird, ihn nie wiederzusehen. Ich denke immer über alles nach. Ich lebe in der Vergangenheit, richte mein Sicherheitsbedürfnis ganz auf die Zukunft aus und genieße den Moment. Das Gleichgewicht zu halten fällt mir schwer.

Ich habe mehrere Ehrenämter gehabt und manche habe ich bis heute. Ich kann hervorragend Blockflöte spielen, außerdem ganz passabel Gitarre, Cello und Querflöte, letzteres brachte ich mir selbst bei. Ich habe in vielen verschiedenen Chören und Musikprojekten mitgewirkt und zwei Jahre Gesangsunterricht genommen. Dies waren zwei sehr gute Jahre. Ich habe keine Angst vor einem Ball, aber ich kann nicht Fußball spielen, Basketball, Handball, Volleyball dagegen schon. Ich habe mehr in 33 Jahren gemacht, als so mancher in seinem ganzen Leben, aber ich kann und will nicht aufhören zu lernen und Neues zu entdecken. Ich bin wissbegierig. Manchmal habe ich das Gefühl, etwas drängt mich zur Eile, aber das ist vielleicht nur so ein Gefühl. Ich dachte lange, ich sterbe, bevor ich 30 werde. Jetzt bin ich über diesen Punkt hinweg und immer noch am Leben.

Ich habe Angst vor neuen Gebäuden und damit verbundenen Erledigungen und ich weiß gerne, wie es bei jemandem daheim aussieht, wenn ich mit ihm telefoniere. Seit ich in der Schule arbeite, lese ich kaum noch und mache fast nie Musik. Ich glaube, all die Menschen, mit denen ich zu tun habe, nehmen mir Energie und Kreativität. Ich habe kaum noch ernsthafte Kontakte, weil ich keine Zeit und Kraft habe, sie zu pflegen. Die wenigen, die bleiben, wissen aber um dieses Phänomen und verstehen. Ich halte Verständnis für das Universalmittel zur Heilung der Menschheit, kenne aber viele, die nicht einmal das verstehen. Ich hasse offene Aggression, ob bei Mensch oder Tier, aber ich habe gelernt, meiner Wut manchmal freien Lauf zu lassen und nicht immer alles zu schlucken, um eine brave Tochter oder ein wohlerzogener Mensch zu sein. Ich kann kein Blut sehen und keine Horrorfilme. Ich kann Sachbücher über Serienmörder und ihre Abscheulichkeiten lesen, muss bei einem zu schrecklichen Film jedoch das Zimmer verlassen oder umherlaufen.

Ich hatte noch nie einen richtigen Autounfall trotz einer Fahrleistung von 40.000km im Jahr. Ich liebe es, mit lauter Musik, offenen Fenstern und Zigarette in der Hand zu fahren. Ich wäre gerne Nichtraucher und war es ein Jahr lang. Ich habe in meiner Kindheit Schlimmes erlebt und in einer Therapiephase festgestellt, dass sich dieses Schlimme als dunkle Blockhütte auf der Wiese meines Lebens manifestiert hat. Ich war zweimal in meinem Leben depressiv und habe aus dieser Hölle alleine wieder herausgefunden. Ich habe jeden Tag an Selbstmord gedacht, ich wollte einfach meine Ruhe haben. Das dritte Mal kurz vor dem Absinken ins Dunkel suchte ich mir Hilfe bei meinem Hausarzt – und bekam sie. Ich wirke angstfrei und unbekümmert, wenn ich vor großen Menschenmassen spreche und kann sie gut unterhalten. Dabei sieht niemand, wie meine Hände zittern, wie mein Puls rast und wie viel Übung es mich gekostet hat, das Offensichtliche zu verbergen.

Ich kann die Dinge auf den Punkt bringen und zugleich sehr ausschweifend werden. Ich bin mein schlimmster Kritiker und ich war jahrelang mein größter Feind. Die Versöhnung, die stattgefunden hat, tat gut. Ich bin nicht dick, ich bin fett. Ich meine nicht so ein bisschen mit Pölsterchen oder so, sondern richtig. Ich bin die, über die ihr immer lacht, wenn ihr einen Fettenwitz lest – und ich weiß, warum ich so bin. Es gibt viele Komponenten, die hineinspielen, und keine einzige hat etwas mit meinem Willen abzunehmen zu tun oder mit meinem Wissen über Ernährung. Ich habe fast 20 kg abgenommen und war immer noch zu fett, als ich das nächste Mal in eine Krise kam, habe ich all die harte Arbeit von 2 Jahren in 5 Monaten zunichte gemacht. Nicht ich, sondern das, was mich steuert. Ich halte mein Gewicht seit 4 Jahren und das ist für mich eine immens große Leistung. Ich habe eine Fahrradtour gemacht und bin ich 9 Tagen 730 km von Düsseldorf ins Allgäu geradelt – allein. Seit dieser Zeit weiß ich, ich habe vielleicht nicht den schönsten Körper, aber den tollsten. Ich habe meinen Frieden mit diesem Thema gemacht, auch wenn er manchmal bei zu vielen Spiegeln brüchig wird.

Ich habe einmal diesen Kontinent verlassen und es war großartig. Ich habe einen Tauchschein und würde niemals an einem Gummiseil in den Abgrund springen. Ich fahre gern schnell, oft auch ein bisschen zu schnell. Mein erstes Mal hatte ich mit 20 und es war gut. Ich trinke kaum Alkohol und ich mag keine großen Feiern, besonders dann nicht, wenn mein Geburtstag der Anlass sein soll. Ich finde betrunkene Menschen abstoßend und habe nie gekifft oder andere illegale Drogen genommen. Eine tolle Unterhaltung mit einer Person in einem gemütlichen Cafe ziehe ich jederzeit einem großen „Event“ vor. Ich bin offen, wenn ich auf Menschen treffe, die ich mag – und ich gebe viel von mir Preis. Viele Leute denken, sie kennen mich gut, dabei kennen sie nur einen winzigen Ausschnitt und wissen nichts über all das, was ich nicht sage.

Ich versuche mir meine Fehler nicht allzu lange selbst vorzuhalten und weiß vom Kopf her, dass Versagen zum Leben dazu gehört. Trotzdem hasse ich es und entwickle einen Feuereifer, um etwas besser zu machen. Nicht perfekt, aber meinen Maßstäben getreu. Viele denken, ich sei ehrgeizig, aber das bin ich nicht. Es ist dieser Wunsch, etwas einmal nur gut genug zu machen, bei dem ich bisher immer versagt habe. Oder der Reiz einer Aufgabe. Viele Aufgaben habe ich übernommen, weil ich wusste, ich kann es besser als der, der es gerade macht – ohne dabei ein Triumphgefühl zu verspüren. Ich wirke manchmal zu sehr von mir selbst überzeugt, arrogant, überheblich, unnahbar, kühl, reserviert und es trifft mich immer noch, wenn ich so falsch eingeschätzt werde. Aber ich arbeite daran, dass mir die Meinung anderer immer weniger bedeutet. In meinen Augen kann man sehen, wer ich wirklich bin. Ich kann wie eine Löwin für die kämpfen, die ich liebe, aber ich tue es nicht mehr, wenn es nicht gewollt ist. Ich habe unendlich viel Liebe zu geben. Ich habe in meinem Leben zwei Männer gleichzeitig geliebt, jeden auf seine Weise. Es hat mich fast zerrissen, meine Gefühle verheimlichen zu müssen und beiden habe ich weh getan. Ich habe nie etwas in einem Kaufhaus gestohlen, aber meinen Eltern Kleingeld aus der Brieftasche entwendet. Ich habe Internettagebuch geführt und bin dadurch eine unfreiwillige Dorfgeschichte geworden. Ich bin aus diesem Dorf weggezogen und habe damit abgeschlossen. Trotzdem lasse ich mir das offene Wort nicht nehmen. Weil ich ich bin.

Ich weiß, was es heißt, Freundschaften aufzugeben und neue zu beginnen. Ich kann mit Kritik, die sachlich ist und möglichst positiv formuliert wurde, sehr gut umgehen, nicht aber mit Unsachlichkeit oder einem Vermischen von Sach- und Gefühlsebene. Keiner hat das Recht, mich auf persönlicher Ebene anzugreifen, nur weil ihm meine Art zu arbeiten/zu leben/zu sein nicht gefällt. Ich kann nicht für mich eintreten, wenn Menschen mir unfaire Dinge an den Kopf knallen, und ich habe großen Respekt oder auch fast schon Angst vor Autoritäten.

Ich war sehr gläubig. Ich bin offener geworden. Ich habe angefangen, meine verletzliche Seite zu zeigen, seitdem weine ich weniger. Ich halte Diskussionen nicht für sinnlos, auch wenn sie ohne Ergebnis bleiben. Ich bin witzig, wenn der Zeitpunkt passt. Ich mag Tiere, manche liebe ich sogar. Ich habe zwei Monate vegetarisch gelebt, mehr geht nicht, obwohl ich weiß, was ich Tieren damit antue. Meine Angst vor Spinnen ist deutlich abgeklungen, dafür bekomme ich Panik bei Kakerlaken. Ich verändere mich mit jedem Tag und doch bleibt etwas gleich. Ich trage ein bezauberndes kleines Mädchen in mir, das viel zu viele Regeln und korrekte Verhaltensweisen und viel zu wenig Freiheiten kannte, bevor ich sie traf. Und der Dinge angetan wurden, die bis heute nicht über meine Lippen kommen.

Ich ändere etwas, wenn ich unzufrieden bin, auch wenn das steiniger Weg ist. Und ich bin davon überzeugt, dass das jeder kann, aber nicht jeder will. Manches Leiden ist selbst gewählt. Manchmal denke ich mir, meine Welt wäre eine bessere, wenn einige Menschen tot wären, doch dann erinnere ich mich daran, dass jeder Mensch so lebt und liebt, wie es in seiner Macht steht – und ich lasse diesen unfairen Wunsch los. Ich bin widersprüchlich. Ich kann gut festhalten und übe mich im Loslassen und einer gewissen „scheißegal“- und „du kannst mich mal“-Haltung. Ich versuche, die Eiche zu sein, die es kalt lässt, wenn die Sau sich daran kratzt. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Sensible in mir nicht mundtot machen kann.

Ich werde mit jedem Lebensjahr freier. Ich werde mit jedem Lebensjahr mehr ich selbst. Ich gehe immer im Wiegeschritt in das Morgen, Gestern und heute – zwei vor, einen zurück.
Ich mag mein Leben. Mein Sein. Ich mag mich. Sehr. Vor fünf Jahren hätte ich so etwas nicht schreiben können.

Höhen und Tiefen

Haare länger oder kürzer? gleich lang

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Kurzsichtig, unverändert.

Mehr Kohle oder weniger? Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr. Wie immer. Aber auch mehr auf die Seite gelegt.

Mehr bewegt oder weniger? weniger. Aber das ist in Ordnung.

Der hirnrissigste Plan? Den Falschen zu wollen

Die gefährlichste Unternehmung? Eine Spinne raus tragen.

Der beste Sex? Yay!

Die teuerste Anschaffung? Grey’s Anatomy – alle Staffeln.

Das leckerste Essen? das Drei-Gänge-Menü beim Thailänder, der Mexikaner in Kiel

Das beeindruckenste Buch? „Die Entdeckung der Langsamkeit.“

Der ergreifendste Film? Avatar

Die beste CD? Adele – 21

Das schönste Konzert? Alin Coen (das einzige Konzert dieses Jahr)

Die meiste Zeit verbracht mit…? Dem Liebsten. Der KJR-Gang. Und gedanklich mit Oma.

Die schönste Zeit verbracht mit…? Ihm. An der Ostsee, in Berlin, an so manchem Wochenende. Die intensivste Zeit (schön ist so relativ) mit Oma.

Vorherrschendes Gefühl 2011? Höhen und Tiefen.

2011 zum ersten Mal getan? Aufgehört zu reden. Am Bett einer Sterbenden gesessen und gewartet, bis der letzte Atemzug gemacht war. Es ist Erlösung.

2011 nach langer Zeit wieder getan? meinen Alltag zu zweit erleben. Nicht verantwortlich für alles sein müssen, sich Aufgaben teilen können. Mich der Erwartungshaltung anderer nicht beugen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
fast 3 Monate Krankenhaus mit Oma und die letzte Woche.
Die fehlende Jobofferte im Landkreis.
Pansinusitis plus Rückfall.

Drei Dinge, auf die ich keinesfalls hätte verzichten mögen? auf mein Herz gehört zu haben – in dreifacher Hinsicht.
Am Bett einer Sterbenden zu sitzen und ihre Hand zu halten, während all das gesagt werden konnte, was zu sagen war.
So viel gelacht zu haben. Trotz allem.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Du wirst schon wieder.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ich denke, das war ein Paket voller Bücher.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Ein Anhänger, Geduld und Liebe, eine Einbauküche und eine Brotdose.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? Ich liebe Dich.

2011 – Höhen und Tiefen. Vieles gewonnen, manches verloren. Aber es wird schon alles seinen Sinn haben. Viele Zweifel an dem, was war, Zweifel an meiner Religion, aber auch viele neue Eindrücke, eine neue Idee der Welt.
Ein Jahr himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

Der Abschied von Oma. Bei ihr bin ich groß geworden. Sie hat Lieder mit mir gesungen, mir die Natur gezeigt. Sie hat mich geliebt, jeden einzelnen Tag. Nicht ein einziges Mal hat sie mich geschimpft oder war böse zu mir, sie war nur traurig – und das war schlimmer als alles andere. Wie viele Tage habe ich bei ihr übernachtet, wie oft saß ich unter dem Schreibtisch in ihr Büro? Es sind unzählige glückliche Tage voller Lachen und Zuneigung gewesen. Sie hat mich immer unterstützt, immer an mich geglaubt. Für sie war ich etwas ganz Besonderes, Außergewöhnliches – und sie war genau das für mich. Vielleicht habe ich nicht immer genug Zeit für sie gehabt, aber jeden gemeinsamen Augenblick haben wir genossen und gelebt.
An Deinem Bett zu sitzen und zu wissen, es geht dem Ende zu, war Erlösung und Qual zugleich. Ich werde Dich ein Leben lang vermissen. Und ich werde Dich ein Leben lang liebend in meinem Herzen tragen. Mein Haus wirst Du nie sehen, auf meiner Hochzeit wirst Du nie tanzen, meine Kinder wirst Du nie im Arm halten. Ich hätte Dir diese Wünsche so gern erfüllt, aber es sollte nicht sein.
Du warst eine stolze, schöne Frau. Immer gepflegt, selbstständig, intelligent. Du warst meine Oma, die beste Oma, die ein Mädele sich wünschen konnte – und ich danke Dir. Aber all das weißt Du ja.
Pass auf Dich auf, Oma. Und Du weißt ja:

„Wie gut, dass Du mich gefunden hast.“
„Ich werde Dich immer finden.“
Das war ein Versprechen.

unvorhersehbar

Sie steht da. Ganz ruhig. Steht da und schaut mich an.
Sie und ich, wir wissen, sie verändert mich.
Nein, sie verändert mich nicht, sie führt mich noch näher an mich selbst heran.

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, fast kindlich.

Sie hat meine Themen mitgebracht, kleine, tragbare Pakete daraus geschnürt.

Ich staune. Mit ihr habe ich nicht gerechnet. Aber ihre Überraschungsbesuche sind seit jeher die besten.

Ich lächle zurück: „Hallo, schön dass Du wieder da bist.“

Und die Liebe nimmt mich in den Arm und tanzt mit mir über Fliederblüten.

Neue Ufer

Und dann sind sie da und türmen sich vor mir auf:

Die Tage, an denen ich nicht an Dich dachte.

Wie konnte das passieren?
Du warst ein Teil von mir, Teil meines Herzens, Teil meines Lebens.
Ich habe einen Teil von mir vergessen.

Vielleicht aber habe ich auch einfach einen Teil von mir zurückerobert, der Dir nicht mehr zur freien Verfügung steht.

Damals dachte ich, ich werde Dich nie vergessen.
Ankerte im Schmerz, hatte mich festgefahren und alle Hoffnung dem Meer zum Fraß vorgeworfen.

Jetzt habe ich endlich Fahrt aufgenommen.
Die Segel sind gehisst.
Es wird Zeit für neue Ufer.

Schatzkiste

Eine unvollständige Sammlung persönlicher Sternmomente.

Erster Schultag. Schaukeln auf der gelben Plastikschaukel. Weinrotes Fahrrad. Herumalbern mit Papa. Mit dem besten aller Hunde über die Felder streifen. Abiturzeugnis. Führerschein bestanden (mit dem Bus heimfahren). Weidenkätzchen streicheln und mit Oma Frühlingslieder lernen. Wettkampferste im Schwimmen. Die erste Unterrichtsstunde 11. Deutsch-Referat Literaturverfilmungen. Kraken. Konstanz Fähre. 3 Stunden Spaziergang durch Ulm/Neu-Ulm, dabei die Zeit vergessen. Herumalbern mit der 6a. Gewählt werden. Rosensträuße. Abizeitung. Märzsonne auf dem Inti-Rasen genießen. Vor Lachen nicht mehr stehen können. Seifenblasen in der Fußgängerzone. Die Kelly Family (oh Gott.). Seraphine, Lara, Leo, Kai, Helena. Orga-Team-Gelächter. Rom. Anhänger. Liebe gestanden. Zum ersten Mal Händchen halten. Im Sommerregen tanzen. Lauthals singend Auto fahren. Weinen in den Armen der Besten. Schwach sein dürfen. Bryan Adams. Welteroberungszüge. Gute Laune-Tage. Ferienbeginn. Vertrauenslehrer werden. Einschreibung. Zulassungsarbeit Abgabe. Letzte Examensprüfung. Gänseblümchen. Cappuccino beim Jockl. Bondo. Lora. Bonny. Jack und James. Chuck. Eisstadion. Verknallt sein. Der Moment, nach 734 km auf dem Fahrrad nach Hause zu kommen. Sie – jedes Mal. Die perfekte Unterrichtsstunde. Schmetterlingskollapse. Mathe 12 Punkte K13. Spiel gewonnen! Zweiter Auftritt. Schülerwetten verlieren. Der See. Bällchen. Eiscafé. Abiturergebnisse. Meer. Rügen. Abschlussfahrt Roundstone. 8. Klasse Probestunde. Küchengespräche mit Mama und Oma. Das erste Mal. Grünten. Notizzettel an der Tür. Der Tag, an dem ich die Kreide zerbrach. Kamera kaufen. Prozess erfolgreich durchführen. Mich finden. Das Lachen der Kleinen. Dominostein. Awa! Tanzen (immer). Märchen. Osteopathie. Wohnungsdrachen ansiedeln. Das erste Auto samt roter Schleife. Bär. Cafete. Thailand. Schreiben. Der erste 50ger. Dieter Nuhr. Bodo Wartke. Schneeflocken. „I like Chopin“ endlich können. Querflötensiege. Gumpiger Donnerstag. Tankstellentests. Musik. Kinderquietschelachen. Küsse (so viele wundervolle!). Leben pulsierend. Arbeitszimmer. Aquarium. Sofa. Tänzelfest. Weinen vor Lachen. Belten bis zum C. Mit Lachkrampf hinterm Pult, Tarnung nicht halten könnend. Baggersee-Sternenregen-Abende mit besten Gesprächen. Die 3. Semester-Partytour. Liebesbegegnungen. Aufeinander zu laufen müssen, weil es sowieso schon viel zu lange gedauert hat, bis man sich wieder sieht – in eine Umarmung branden. Schüler-Hallos an Grummelmorgens. Kollegenalbereien in der Kaffeeküche. Daheim. Genussvoll kochen und essen. Vertrauen können. Schuhe. Grün überall. Herzaussetzer. Tauchschein.

.. to be continued.

(Und ihr so?)

Überrascht, wenn

Aufräumen.
Echt nicht meine Stärke.

Spreu vom Weizen trennen.
Besser.

Wesentliches wesentlich nehmen.
Und Unwesentliches wieder heraussortieren.

Menschen kommen.
Menschen gehen.
Manche hast Du tiefer in Dein Herz geschlossen und es tut richtig weh, wenn sie gehen, manche hinterlassen nur ein kleines Ziehen, das schnell vorbei geht.

Ich bin nicht überrascht, wenn es weh tut.
Ich bin immer überrascht, wenn es nicht wirklich weh tut.

(Und einige wenige bleiben [<3] und lieben Dich so, wie Du bist – nicht das Abbild, dass sie sich von Dir gemacht haben)