Drei Wünsche frei – ein Fazit

Eine Woche „Drei Wünsche frei“, es wird Zeit, einen Punkt zu machen.

Rund 1500 Klicks, über 100 RTs.

Kommentare, Mails, Direktnachrichten.

Rückblick letzter Sonntag:
Als ich den Blogeintrag schrieb, wusste ich nicht, mit was ich rechnen sollte. Ich habe auch nicht nachgedacht. Ich wollte endlich mal wieder möglich machen, nicht kaputtdenken. Also schreiben, veröffentlichen, Tweet schreiben. Warten.

45 Minuten später war die Botschaft draußen, der erste Ansturm begann. Der Herzmann erwachte aus seinem Nachmittagsschlummerchen, sah mich an und sagte nichts. Bis er den Blogpost las. Und die Kommentare. Und die Replies bei Twitter.

„Facebook auch?“
„Facebook auch.“
Schweigen.
„Hätte ich Dich vorher fragen sollen?“
„Hätte das was genützt?“
„Nein.“
„Ich hätte mich das nicht getraut. Aber ich bin ja auch nicht du. [lacht] Dann wissen wir ja jetzt, was wir uns zu Weihnachten schenken.“

(Ja, ich liebe ihn sehr.)

Und nun beginnt für mich das eigentliche Weihnachtswunder. Eine Anfrage kommt, parallel zwei Angebote zur Unterstützung.
Während ich die ersten 4 Wünsche erfülle, sammeln sich die Hilfsangebote.
Ich kann nicht schlafen vor Aufregung. Was, wenn es noch viel mehr werden? Ich will niemanden enttäuschen! Am nächsten Tag: zwei neue Angebote zur Unterstützung. So geht das eine ganze Woche lang.

Und ich beginne zu begreifen: es geht nicht mehr um mich allein, es geht um viel mehr. Es geht um Vermittlung. Es geht, auch für mich, um Annehmenkönnen. Und wir werden in dieser Woche Dinge möglich machen, die ich alleine nie geschafft hätte.
Ich beginne in Emails von „wir“ zu schreiben. Es ist schon längst nicht mehr meine Aktion.

Stunden, die sich wie ganze Tage anfühlen, gehen ins Land. Tage werden zu Wochen. Ich bekomme Bilder geschickt, Geschichten erzählt, Emails, DMs und nicht eine einzige negative Nachricht.
Niemand startet einen Shitstorm, unterstellt mir unlautere Absichten.
Niemand zieht meine Herzblutidee in den Schmutz.
Ich renne nur offene Türen ein und muss nicht einmal bitten.

Es ist ein Wunder.
Immer zweimal mehr Hilfe als Anfragen. Jeden Tag.

Alle Wünsche sind in Arbeit. Vielleicht ist nicht jeder erfüllbar, aber 32 haben wir möglich gemacht. Bücher, Winterkleidung, Spielsachen, Futtergutscheine, CDs. Ein Fußball, ein Laufrad, gebrauchte Technikgeräte, Malbücher, ein Gang ins Kino und vieles mehr.
21 Menschen, davon etliche Kinder, und ein Haustier profitieren von eurem großen Herz.
Drei Wünsche stehen noch aus, manch einer ist noch nicht verschickt, aber einiges kam bereits an. Geld gab es keines für die Beschenkten, sondern Waren und Gutscheine. Wer unser Sozialsystem kennt, weiß warum.

Was mich persönlich wirklich umhaut [ringt nach Worten], ist … bitte verzeiht mir das vielleicht pathetisch Klingende … die Liebe, die hier ankommt. So viel Herzlichkeit.
Unterstützer wollen ein zweites Mal helfen, Beschenkte backen Plätzchen, Kinder malen Bilder, wir werden nach der Adresse gefragt für eine kleine Postkarte. Es fließen so viele Tränen, wenn Wünsche wahr gemacht werden. Es geht dabei gar nicht nur um den Wunsch, um das Materielle, es geht um den Glauben an das Gute, Wahre und Schöne auf dieser Welt. Um den Glauben an die Menschheit.

Ich versuche, Rückmeldungen, die an mich kommen, weiterzutragen, die Gefühle, die Sprachlosigkeit, stille Freude und Berührtheit einzufangen und wiederzugeben. Vor allem, die die helfen, sollen wenigstens den Hauch einer Ahnung bekommen, was sie da bewegt haben. Ich habe keine Ahnung, ob mir das gelingt oder ich mich mittlerweile völlig abgehoben anhöre und man mir dringend zu einem Arztbesuch raten möchte, aber es ist mir egalegalegal. Und auf der anderen Seite versuche ich die Freude zu vermitteln, die das Geben uns macht. Wie sehr es mich und vielleicht auch einige andere erdet, wenn wir erkennen, dass wir uns erfüllen können, was für andere unmöglich zu sein scheint. Diese Woche verändert mich. Sie erschreckt mich, bewegt mich, krempelt mich entschieden um.
Das war seit Jahren das Sinnvollste, was ich außerhalb der Arbeit gemacht habe.

Jetzt ist es Zeit, die Versprechen zu verwirklichen, die noch offen sind. Außerdem brauche ich dringend Schlaf und da die letzten Tage so langsam Ruhe eingekehrt ist, beende ich hiermit „Drei Wünsche frei“ für das Jahr 2015.

Ich danke euch für euer Vertrauen, eure Mails und Geschichten, eure Gaben, Gutscheine und lieben Worte. Ich danke euch für das Verbreiten meines Anliegens, für die <3en und aufbauenden Zeilen. Ich danke euch, dass ihr euch durch Onlinegeschäfte geklickt habt und wir immer unkomplizierte Lösungen finden konnten. Ich danke euch für eure Geduld, euer offenes Herz, euren Mut, mir zu schreiben und eure Liebe.

Ihr habt mich verändert. ❤

Advertisements

Drei Wünsche frei

Vor ein paar Tagen las ich diesen Blogpost Was Armut mit Dir macht von Mama_arbeitet.

Kurz und gut, der Text hat mich nachdenklich gemacht. Sehr nachdenklich. Ich kann mich noch gut an meine Studentenzeit erinnern, da lebte ich von 500€ im Monat, 200€ gingen für die Miete drauf. Es war knapp, aber es war ok. Ein halbes Jahr lebten wir davon zu zweit. Das war nicht nur knapp, das war auch nicht mehr ok. Wir standen im Aldi und überlegten, ob wir uns das Müsli leisten können, ich hatte keinen einzigen Socken ohne Loch mehr.

Heute verdiene ich sehr gut, mein Geld kommt jeden Monat und selbst, wenn ich krank werde oder nicht mehr arbeiten kann, muss der Staat für mich sorgen. Ich lebe in Sicherheit und denke nicht mehr oft an die Zeit, als wir nicht wussten, wie wir die letzten fünf Tage etwas Warmes kochen können außer Reis mit Thunfisch.

Eine große Sorge sind die Weihnachtsgeschenke. Auch an das kann ich mich erinnern. Und dieses Jahr möchte ich denen, die wenig haben, diese Sorge ein bisschen nehmen.

Deshalb gilt: drei Wünsche frei!

Du hast dir den Blogpost von Mama_arbeitet durchgelesen und viele Punkte kommen Dir erschreckend vertraut vor? Du weißt nicht, wie Du Deinen Kindern eine Freude machen kannst, weil ihre Wünsche (ein Buch, ein Spiel, einPullover, ein Stofftier oder Ähnliches) Deine Geldmittel überschreiten, obwohl es keine großen Ausgaben wie ein Smartphone oder Tablett wären? Dann schreib mir, denn Du hast drei Wünsche frei. Zwei für die Kids und einen für Dich. Falls sich furchtbar viele melden und ich diesen Monat nicht alle Wünsche erfüllen kann, werde ich sie einfach auf das nächste Jahr verteilen und Dir Bescheid geben, wie und wann wir das hinbekommen. Aber irgendwie bekommen wir das hin. Wenn Du nicht für Dich um etwas bitten kannst, tu es einfach für die Kinder. Am Ende schenkst Du es ihnen ja auch.

Du findest mich bei Twitter unter @FrauBe

(Ich werde übrigens nichts überprüfen oder hinterfragen. Sollte sich jemand ohne finanzielle Probleme auf diese Art billige Weihnachtsgeschenke verschaffen wollen, ist das sowieso nicht zu ändern. Jemand, der sich so verhält, würde auch bei einer Nachfrage lügen. Falls ihr euch fragt, wie ich auf sowas komme: fragt mal bei den TAFELN nach, da gab es anfangs etliche Fälle von Menschen, die keine finanziellen Probleme hatten, aber die „Superschnäppchen“ trotzdem mitnehmen wollten.)

Tiefgang

Haare länger oder kürzer?

Länger – Kürzer – immer mit Farbe. Das Grau nimmt zu.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Kurzsichtig, unverändert.

Mehr Kohle oder weniger?

Mehr. Dank Leistungsprämie und einer Steuerrückzahlung.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger als letztes Jahr. Insgesamt wahrscheinlich aber mehr. Volle Hausraten, neues Handy, Urlaub in Dänemarkland.

Mehr bewegt oder weniger?

Viel bewegt. Ein Umzug im Ehrenamt, eine Neueinstellung, viele Mobbing-Geschichten, eine tolle 5. Klasse. Weniger Material bewegt. Insgesamt keine großen Veränderungen im Innen. Ein bisschen erwachsener geworden. Ein bisschen dickeres Fell.

Der hirnrissigste Plan?

Eine Couchtisch-Kiste in der Nähe von Potsdam holen. Nachmittags um 15.55 Uhr an einem Sonntag los, nachts um 3.15 Uhr zurück. Verrückt, aber auch toll.

Den Glauben hoch zu halten, mehr Zeit für Freunde und Aktivitäten zu haben.

Die gefährlichste Unternehmung?

Nichts gefährliches.

Der beste Sex?

Oh ja!

Die teuerste Anschaffung?

ein neues Smartphone, um es nach 3 Wochen in der Sylvesternacht gegen 22 Uhr zielgerichtet fallen zu lassen. Displaybruch. Der zweite. Applaus!

Das leckerste Essen?

Unterschiedliche Mehrgänge-Menüs, weil ich das Kochen wieder für mich entdeckt habe.

Das beeindruckendste Buch?

Viele Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen. Und: Sina Trinkwalder: Wunder muss man selber machen. Und: Anke Gröner: Nudeldicke Deern. Und ein paar Krimis. Skoobe my love. Endlich mal wieder ein Jahr, in dem ich vergleichsweise viel gelesen habe. Ach ja, Suter: die dunkle Seite des Mondes.

Der ergreifendste Film?

Nehmen wir zur Abwechslung doch mal Serie: NCIS hat Spaß gemacht, genauso Dr. House.

Die beste CD?

Keine erworben. Musik kommt zu kurz.

Das schönste Konzert?

Barfuß durch München joggend zur Staatsoper, „cosi fan tutte“ mit dem Mann. Und Dave Davis, voll toll. Rütter verpasst, da mit Fieber im Bett.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Dem HundeTier. Gute Zeit.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Hund und Mann. Und das war gut so!

Vorherrschendes Gefühl 2013?

Überforderung.

2013 zum ersten Mal getan?

Biopsiert worden.

2013 nach langer Zeit wieder getan?

Gekocht, als gäbe es kein Morgen. Nen Roadtrip veranstaltet. Das Land zu Urlaubszwecken verlassen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Granuloma anulare – braucht kein Mensch. Zwei kaputte Displays. Drei Wochen Grippe im Frühjahr.

Drei Dinge, auf die ich keinesfalls hätte verzichten mögen?

Den Moment, in dem ich einen Schrieb lese, der meine Arbeitsleistung mehr als würdigt.
Langvermisste Menschen wiedertreffen.
Den erfolgreichen …-Umzug.
(Und die gelungene Anmeldung zum Examen. Und die Steuerrückzahlung.)

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Ich scheine ganz gut damit leben zu können, niemanden überzeugen zu müssen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ein LG Optimus 5 II. Glaub ich. Ansonsten viele kleine Aufmerksamkeiten.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Einen Tanzkurs und ne Fuhre Holz.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Ich hab dich wirklich lieb und finde es toll, wie Du die Dinge meisterst.
I luv you.

2013. Tiefgang.
Nach dem Wirbelwindjahr etwas mehr Ruhe im Außen und auch wieder nicht. Umzug Xxx war anstrengend, Personalangelegenheiten auch. Abitur 2013 ebenso. Keine Ferien bis zum Sommer. Dann die Staatsexamensanmeldeodyssee. Dafür mehr Urlaub. Im Februar in der Eiffel. An Pfingsten schnell mal eben nach Nübbel und über Dänemark nach Hause. Dann vier Nächte in Nübbel und zwei wundertolle Wochen in Blokhus im Ferienhaus, ein Traum. Etwas wenig los, aber voll toll. So viel Meer und Sand und Strand.
Im Innen ruhiger, mehr Gelassenheit, ein dickeres Fell und etwas höhere Stressresistenz. Auch das Kinderthema nur stellenweise dramatisch.
Von September bis Dezember von einem Termin zum nächsten. Extrem anstrengend, aber nicht einmal krank. Zum ersten Mal seit Schulbeginn. Oma vermisst. Viele Gassi-Durchatme-Runden. Tun gut und die Kondition wird besser. Hundeschule reduziert, weise Entscheidung.
Ansonsten: glücklich 🙂 neues Auto von letztem Jahr macht sich bezahlt.
Mann ist toll. Kleinigkeiten, aber alles gut.
Mehr davon. Ich freue mich sehr auf 2014. Weniger Herzinfarktrisiko, mehr Ich- und Wir-Zeit. ❤

Das Andere in Dir.

Du bist anders als der, den ich kannte. Anders als der, den ich liebte. Anders als der, den ich mit dem Herzen sah und verstand.

Vielleicht sind wir erwachsen geworden.
Aneinander emporgewachsen, übereinander hinausgewachsen.

Gemeinsam trieb uns der Wind in die gleichen Richtungen und doch weg voneinander. Aus gutem Grund.

Es ist gut wie es ist. Du bist anders. Ich bin anders.
Wir sind bei anderen. Und glücklich.
Das ist es, was zählt.

Zeugnis gesucht!

Liebe Leserschaft,

viele wissen es, manche ahnen es, den ein oder anderen könnte diese Information überraschen: Ich bin Lehrerin. Mit h. In Bayern. Schlimmschlimm, ich weiß.

Wir nähern uns dem Sommerferienentspurt und während die Kids wohlverdient am Baggersee rumlümmeln, sitzt sich unsereins den Hintern vor dem Rechner platt und schreibt … Sie ahnen es … Zeugnisse.

Das ist eine recht eintönige Angelegenheit, da einem zügig die Adjektive ausgehen und man pädagogisch wertvoll formulierend nicht irgendwas von „fauler, frecher Sacknase, die ich trotzdem irgendwie mag“ schreiben kann.

So verbrachte ich letztens ein friedliches Stündchen Recherche vor meinen eigenen Zeugnissen aus frühen Kindertagen …

20130704-145155.jpg

Ein Zeugnis meines Erstklasszeugnisses

… und fragte mich, wer noch alles durch sein Flötenspiel den Unterricht erfreute.

Und da kam mir eine Idee…

Schickt mir eure beste Zeugnisbemerkung als Bild/PDF/Textdatei whatever bis zum 30.8.2013 und zwar an fraube@gmx.de – wenn ihr das macht, stimmt ihr einer Veröffentlichung in meinem Blog und in meinem Unterricht zu. Wer das nicht will, möge das bitte ausdrücklich dazu schreiben, gewinnen könnt ihr natürlich trotzdem.
Macht am besten Namen und Noten unkenntlich, darum geht’s ja nicht.

Die drei kuriosesten Bemerkungen wird eine kleine, aber feine Jury, bestehend aus meiner Verwandtschaft, einigen Schülern und dem besten Hund der Welt, völlig subjektiv auswählen. Für die Gewinner gibt’s ein kleines Überraschungspaket und eine Veröffentlichung im Blog. Ich behalte mir Sonderprämierungen vor, der Gewinn ist eine Postkarte, welche im Schuljahr 2013/14 versendet wird. Direkt aus der Schule natürlich.

Ich freue mich auf viele Zusendungen!

Eure Frau B.

Drahtseilkarussell

Haare länger oder kürzer?Abgeschnitten nach einem Monat Hausumbau voller Staub und Dreck – reiner Praktizismus. Jetzt wieder länger, gut so.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Kurzsichtig, unverändert.
Mehr Kohle oder weniger? Etwas mehr. Oder viel weniger, wie mans nimmt.
Mehr ausgegeben oder weniger? Die größte Ausgabe, die man wohl überhaupt im Leben hat: Ein Haus gekauft. Und endlich zu Hause.
Mehr bewegt oder weniger? Mehr, so viel mehr. Rund 6 Tonnen Bauschutt, ca. 5 Tonnen Material.
Der hirnrissigste Plan? Den Hund so lange wegschubsen, bis er aufgibt
Die gefährlichste Unternehmung? Rückwärts auf die Treppe geknallt, beide Oberarme geprellt. Das hätte böse ausgehen können.
Der beste Sex? Oh ja!
Die teuerste Anschaffung? Haus, Auto, Hund – volles Programm
Das leckerste Essen? Des Mannes Hackbraten
Das beeindruckendste Buch? Andrea Jolander: Da gehen doch nur Bekloppte hin
Der ergreifendste Film? Weil es Dich gibt
Die beste CD? The truth about love – Pink (das einzige Album, das ich dieses Jahr gekauft habe – und ich bereue nichts)
Das schönste Konzert? Keine Zeit für einen Konzertbesuch gehabt
Die meiste Zeit verbracht mit…? Dem Umbau – vom Altbau zum Traumhaus in 3,5 Monaten
Die schönste Zeit verbracht mit…? Hund und Mann.
Vorherrschendes Gefühl 2012? Alles ist Veränderung, ein wildes Karussell
2012 zum ersten Mal getan? Beim Notar gewesen, der Bank meine Seele verkauft.
2012 nach langer Zeit wieder getan? Keine Fernbeziehungsfahrten mehr, einen wesentlichen Entwicklungsschritt gemacht
Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die nächste Beerdigung in der Weihnachtszeit.
Auseinandersetzungen mit meinem Vater.
Ein Nagel im Fuß.
Drei Dinge, auf die ich keinesfalls hätte verzichten mögen?
Den Mut zu haben, Wagnisse einzugehen.
Den Mut zu haben, sich selbst ganz viel zuzutrauen.
Den Mut zu haben, Fehler nicht länger als Rückschlag, sondern als Rückmeldung zu betrachten.
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Wir schaffen das.
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ein iPhone
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Einen Verliebungsring.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? „Und hier sind die Schlüssel zu Ihrem Haus.“
2012 – ein Jahr des Ankommens und der erfüllten Träume. Der Mann zog in den Süden, neuer Job, neues Leben. Die Entscheidung für ein Haus. 3,5 Monate Umbauen extrem – im Rückblick völliger Irrsinn und so gut. Jeder Tag hier ein Geschenk. Der Blick auf die Berge aus dem Schlafzimmer, der große Garten, das Gefühl, Platz zu haben, Zuhause zu sein, das Gefühl, angekommen zu sein. Der dritte Wunsch: ein Hund. Unser Hund. Der beste Hund der Welt. Purer Flausch gepaart mit einem Schwarzwälder Sturkopf – seit ich 19 bin ein tiefer Wunsch. Genau den richtigen Hund gefunden, genau die richtige Hundeschule, so viel Lachen, so viel Freude, so viele unruhige Nächte.
Überforderung auf der anderen Seite – und Grundsatzentscheidungen getroffen, die alles leichter machen (werden). Der Balanceakt zwischen: Ich habe eine Verpflichtung übernommen und werde sie auch erfüllen und dem hässlichen Gefühl nicht auch nur einen Tag länger so leben zu können. Leben auf dem Drahtseil. Hoffen, nicht zu fallen.

Was bleibt, was ist, was sein wird

Was bleibt, ist eine Ahnung. Eine Ahnung, wer wir sind, vielleicht auch eine Ahnung, wer wir sein werden. Ich habe @poetin einen wundervollen Blogeintrag gelesen, der mich bewegt und sehr nachdenklich gemacht hat. Die Idee geht zurück auf @mitnichten

Warum erscheint es mir wichtig, Dinge mit einer anonymen Öffentlichkeit zu teilen? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt und ich suche immer wieder nach einer Antwort. Abgesehen davon, dass es mir einfach Freude macht, mehr über Menschen und ihre Art zu denken, zu leben, zu lieben zu erfahren und diese Informationen im Austausch auch zu geben, halte ich es für grundsätzlich wichtig. Viele Leben wirken so geradeaus, sorglos, viele Menschen so stark. Aber jede Biographie hat ihre Brüche – und wenn man diese teilt, macht man denen Mut, die glauben, so etwas sei noch niemandem widerfahren. Mich stützen eure Geschichten und begleiten mich. Hier ist meine – ungebremst und unkürzbar.

Ich habe einen kleinen Finger, der perfekt zu meiner Hand passt, aber einzeln betrachtet aussieht, als wäre er mehrfach gebrochen. Ich bin Lehrerin aus Leidenschaft, aus Liebe zu den Geschöpfen, die in unserer so wohl behütenden Gesellschaft übersehen, getreten, geschlagen und ausgelacht werden – oder die einfach unsichtbar sind. Ich möchte die Welt ein bisschen besser machen durch meine Existenz.

Ich habe fünf Jahre meines Lebens in Schwimmhallen verbracht und auch, wenn ich heute noch von der erlernten Technik profitiere, waren all die Wettkämpfe das Sinnloseste und Unbefriedigendste in meiner Kindheit. Konkurrenzdenken liegt mir fern, ebenso der unbedingte Wille zu gewinnen. Ich kann gut verlieren. Ich bin unordentlich, aber nicht chaotisch, kruschtelig, aber nicht dreckig. Ich höre immer noch zu sehr auf das, was meine Eltern sagen und denken, obwohl ich weiß, dass mein Anderssein nicht schlechter ist. Ich wurde vielleicht in die falsche Familie geboren, auch wenn ich sie liebe. Ich hatte einen Menschen in meinem Leben, der wusste, wer ich bin, der mich bedingungslos liebte für mein ganzes Sein, für den ich etwas Besonderes war, allein durch meine Existenz. Dieser Mensch hat uns letztes Jahr verlassen. Ich habe ein Gefühl für den Toten, wenn ich an einem Grab stehe – und ich kann mit ihm sprechen, aber nicht so, wie man sich das vorstellt. Ich bin ein Medium und ich habe lange gebraucht, um diesem Gedanken in meinem analytisch geprägten Gehirn ein Zuhause zu geben. Ich bin Zweifler, Ver-Zweifelnde und zugleich gnadenlos optimistisch. Bevor ich in ein Auto steige, denke ich an einen Unfall, bevor ich das Haus verlasse, an den Tod und bevor ich mich von einem Menschen verabschiede, überlege ich, wie es sein wird, ihn nie wiederzusehen. Ich denke immer über alles nach. Ich lebe in der Vergangenheit, richte mein Sicherheitsbedürfnis ganz auf die Zukunft aus und genieße den Moment. Das Gleichgewicht zu halten fällt mir schwer.

Ich habe mehrere Ehrenämter gehabt und manche habe ich bis heute. Ich kann hervorragend Blockflöte spielen, außerdem ganz passabel Gitarre, Cello und Querflöte, letzteres brachte ich mir selbst bei. Ich habe in vielen verschiedenen Chören und Musikprojekten mitgewirkt und zwei Jahre Gesangsunterricht genommen. Dies waren zwei sehr gute Jahre. Ich habe keine Angst vor einem Ball, aber ich kann nicht Fußball spielen, Basketball, Handball, Volleyball dagegen schon. Ich habe mehr in 33 Jahren gemacht, als so mancher in seinem ganzen Leben, aber ich kann und will nicht aufhören zu lernen und Neues zu entdecken. Ich bin wissbegierig. Manchmal habe ich das Gefühl, etwas drängt mich zur Eile, aber das ist vielleicht nur so ein Gefühl. Ich dachte lange, ich sterbe, bevor ich 30 werde. Jetzt bin ich über diesen Punkt hinweg und immer noch am Leben.

Ich habe Angst vor neuen Gebäuden und damit verbundenen Erledigungen und ich weiß gerne, wie es bei jemandem daheim aussieht, wenn ich mit ihm telefoniere. Seit ich in der Schule arbeite, lese ich kaum noch und mache fast nie Musik. Ich glaube, all die Menschen, mit denen ich zu tun habe, nehmen mir Energie und Kreativität. Ich habe kaum noch ernsthafte Kontakte, weil ich keine Zeit und Kraft habe, sie zu pflegen. Die wenigen, die bleiben, wissen aber um dieses Phänomen und verstehen. Ich halte Verständnis für das Universalmittel zur Heilung der Menschheit, kenne aber viele, die nicht einmal das verstehen. Ich hasse offene Aggression, ob bei Mensch oder Tier, aber ich habe gelernt, meiner Wut manchmal freien Lauf zu lassen und nicht immer alles zu schlucken, um eine brave Tochter oder ein wohlerzogener Mensch zu sein. Ich kann kein Blut sehen und keine Horrorfilme. Ich kann Sachbücher über Serienmörder und ihre Abscheulichkeiten lesen, muss bei einem zu schrecklichen Film jedoch das Zimmer verlassen oder umherlaufen.

Ich hatte noch nie einen richtigen Autounfall trotz einer Fahrleistung von 40.000km im Jahr. Ich liebe es, mit lauter Musik, offenen Fenstern und Zigarette in der Hand zu fahren. Ich wäre gerne Nichtraucher und war es ein Jahr lang. Ich habe in meiner Kindheit Schlimmes erlebt und in einer Therapiephase festgestellt, dass sich dieses Schlimme als dunkle Blockhütte auf der Wiese meines Lebens manifestiert hat. Ich war zweimal in meinem Leben depressiv und habe aus dieser Hölle alleine wieder herausgefunden. Ich habe jeden Tag an Selbstmord gedacht, ich wollte einfach meine Ruhe haben. Das dritte Mal kurz vor dem Absinken ins Dunkel suchte ich mir Hilfe bei meinem Hausarzt – und bekam sie. Ich wirke angstfrei und unbekümmert, wenn ich vor großen Menschenmassen spreche und kann sie gut unterhalten. Dabei sieht niemand, wie meine Hände zittern, wie mein Puls rast und wie viel Übung es mich gekostet hat, das Offensichtliche zu verbergen.

Ich kann die Dinge auf den Punkt bringen und zugleich sehr ausschweifend werden. Ich bin mein schlimmster Kritiker und ich war jahrelang mein größter Feind. Die Versöhnung, die stattgefunden hat, tat gut. Ich bin nicht dick, ich bin fett. Ich meine nicht so ein bisschen mit Pölsterchen oder so, sondern richtig. Ich bin die, über die ihr immer lacht, wenn ihr einen Fettenwitz lest – und ich weiß, warum ich so bin. Es gibt viele Komponenten, die hineinspielen, und keine einzige hat etwas mit meinem Willen abzunehmen zu tun oder mit meinem Wissen über Ernährung. Ich habe fast 20 kg abgenommen und war immer noch zu fett, als ich das nächste Mal in eine Krise kam, habe ich all die harte Arbeit von 2 Jahren in 5 Monaten zunichte gemacht. Nicht ich, sondern das, was mich steuert. Ich halte mein Gewicht seit 4 Jahren und das ist für mich eine immens große Leistung. Ich habe eine Fahrradtour gemacht und bin ich 9 Tagen 730 km von Düsseldorf ins Allgäu geradelt – allein. Seit dieser Zeit weiß ich, ich habe vielleicht nicht den schönsten Körper, aber den tollsten. Ich habe meinen Frieden mit diesem Thema gemacht, auch wenn er manchmal bei zu vielen Spiegeln brüchig wird.

Ich habe einmal diesen Kontinent verlassen und es war großartig. Ich habe einen Tauchschein und würde niemals an einem Gummiseil in den Abgrund springen. Ich fahre gern schnell, oft auch ein bisschen zu schnell. Mein erstes Mal hatte ich mit 20 und es war gut. Ich trinke kaum Alkohol und ich mag keine großen Feiern, besonders dann nicht, wenn mein Geburtstag der Anlass sein soll. Ich finde betrunkene Menschen abstoßend und habe nie gekifft oder andere illegale Drogen genommen. Eine tolle Unterhaltung mit einer Person in einem gemütlichen Cafe ziehe ich jederzeit einem großen „Event“ vor. Ich bin offen, wenn ich auf Menschen treffe, die ich mag – und ich gebe viel von mir Preis. Viele Leute denken, sie kennen mich gut, dabei kennen sie nur einen winzigen Ausschnitt und wissen nichts über all das, was ich nicht sage.

Ich versuche mir meine Fehler nicht allzu lange selbst vorzuhalten und weiß vom Kopf her, dass Versagen zum Leben dazu gehört. Trotzdem hasse ich es und entwickle einen Feuereifer, um etwas besser zu machen. Nicht perfekt, aber meinen Maßstäben getreu. Viele denken, ich sei ehrgeizig, aber das bin ich nicht. Es ist dieser Wunsch, etwas einmal nur gut genug zu machen, bei dem ich bisher immer versagt habe. Oder der Reiz einer Aufgabe. Viele Aufgaben habe ich übernommen, weil ich wusste, ich kann es besser als der, der es gerade macht – ohne dabei ein Triumphgefühl zu verspüren. Ich wirke manchmal zu sehr von mir selbst überzeugt, arrogant, überheblich, unnahbar, kühl, reserviert und es trifft mich immer noch, wenn ich so falsch eingeschätzt werde. Aber ich arbeite daran, dass mir die Meinung anderer immer weniger bedeutet. In meinen Augen kann man sehen, wer ich wirklich bin. Ich kann wie eine Löwin für die kämpfen, die ich liebe, aber ich tue es nicht mehr, wenn es nicht gewollt ist. Ich habe unendlich viel Liebe zu geben. Ich habe in meinem Leben zwei Männer gleichzeitig geliebt, jeden auf seine Weise. Es hat mich fast zerrissen, meine Gefühle verheimlichen zu müssen und beiden habe ich weh getan. Ich habe nie etwas in einem Kaufhaus gestohlen, aber meinen Eltern Kleingeld aus der Brieftasche entwendet. Ich habe Internettagebuch geführt und bin dadurch eine unfreiwillige Dorfgeschichte geworden. Ich bin aus diesem Dorf weggezogen und habe damit abgeschlossen. Trotzdem lasse ich mir das offene Wort nicht nehmen. Weil ich ich bin.

Ich weiß, was es heißt, Freundschaften aufzugeben und neue zu beginnen. Ich kann mit Kritik, die sachlich ist und möglichst positiv formuliert wurde, sehr gut umgehen, nicht aber mit Unsachlichkeit oder einem Vermischen von Sach- und Gefühlsebene. Keiner hat das Recht, mich auf persönlicher Ebene anzugreifen, nur weil ihm meine Art zu arbeiten/zu leben/zu sein nicht gefällt. Ich kann nicht für mich eintreten, wenn Menschen mir unfaire Dinge an den Kopf knallen, und ich habe großen Respekt oder auch fast schon Angst vor Autoritäten.

Ich war sehr gläubig. Ich bin offener geworden. Ich habe angefangen, meine verletzliche Seite zu zeigen, seitdem weine ich weniger. Ich halte Diskussionen nicht für sinnlos, auch wenn sie ohne Ergebnis bleiben. Ich bin witzig, wenn der Zeitpunkt passt. Ich mag Tiere, manche liebe ich sogar. Ich habe zwei Monate vegetarisch gelebt, mehr geht nicht, obwohl ich weiß, was ich Tieren damit antue. Meine Angst vor Spinnen ist deutlich abgeklungen, dafür bekomme ich Panik bei Kakerlaken. Ich verändere mich mit jedem Tag und doch bleibt etwas gleich. Ich trage ein bezauberndes kleines Mädchen in mir, das viel zu viele Regeln und korrekte Verhaltensweisen und viel zu wenig Freiheiten kannte, bevor ich sie traf. Und der Dinge angetan wurden, die bis heute nicht über meine Lippen kommen.

Ich ändere etwas, wenn ich unzufrieden bin, auch wenn das steiniger Weg ist. Und ich bin davon überzeugt, dass das jeder kann, aber nicht jeder will. Manches Leiden ist selbst gewählt. Manchmal denke ich mir, meine Welt wäre eine bessere, wenn einige Menschen tot wären, doch dann erinnere ich mich daran, dass jeder Mensch so lebt und liebt, wie es in seiner Macht steht – und ich lasse diesen unfairen Wunsch los. Ich bin widersprüchlich. Ich kann gut festhalten und übe mich im Loslassen und einer gewissen „scheißegal“- und „du kannst mich mal“-Haltung. Ich versuche, die Eiche zu sein, die es kalt lässt, wenn die Sau sich daran kratzt. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Sensible in mir nicht mundtot machen kann.

Ich werde mit jedem Lebensjahr freier. Ich werde mit jedem Lebensjahr mehr ich selbst. Ich gehe immer im Wiegeschritt in das Morgen, Gestern und heute – zwei vor, einen zurück.
Ich mag mein Leben. Mein Sein. Ich mag mich. Sehr. Vor fünf Jahren hätte ich so etwas nicht schreiben können.